Der Einstieg in ein neues Unternehmen gestaltet sich nicht immer einfach. Ein bekanntes Beispiel für einen aufreibenden Bewerbungsprozess bietet Google. Mit 245 Milliarden Euro neuerdings wertvollstes Unternehmen der Welt und durchaus ein begehrter Arbeitgeber. Es gilt als prestigeträchtig dort zu arbeiten und die digitale, visionäre Luft des Unternehmens zu atmen. Folglich sind die Bewerberzahlen hoch und die Auswahlverfahren aufwendig. Es kommen mehrstufige Prozesse und aufreibende Verfahren auf die potentiellen Visionäre von morgen zu. Google kann sich das durchaus erlauben, allerdings nehmen Bewerber solche Torturen nicht für jedes Unternehmen auf sich.

Wie wird der Bewerber durch sein Auswahlverfahren beeinträchtigt und ist es sinnvoll den  Bewerbungsprozess so strapazierend zu gestalten? Diese Verfahren werden oftmals lediglich aus Sicht des Unternehmens betrachtet, obwohl mittlerweile eigentlich klar sein sollte, worum es tatsächlich geht: den Bewerber. Das bedeutet keinesfalls, dass man jeden Interessenten in Watte packen sollte. Auch das Unternehmen ein Recht darauf, neue Arbeitskräfte adäquat zu prüfen, bevor eine Anstellung folgt.

Aber man darf das Echo, das während der Bewerbungsphase erzeugt wird, nicht unterschätzen: Ungefähr vier von fünf Bewerber erzählen Bekannten von den gemachten Erfahrungen durch das Bewerbungsverfahren. Das führt dazu, dass das Unternehmensimage und dadurch auch potenzielle Interessenten in ihrer Bewerbungsentscheidung beeinflusst werden. Rund ein Viertel davon kommuniziert sein Empfinden in sozialen Netzwerken, wie beispielsweise bei kununu.

Jedes Unternehmen hat die Möglichkeit, sich durch einen einfachen, schnellen und transparenten Bewerbungsprozess als sympathischen Arbeitgeber zu präsentieren. Zwischen dem Absenden der Bewerbung bis zur erwarteten Rückmeldung des Unternehmens verstreicht viel Zeit. Die psychische Belastung während dieser Phase ist enorm hoch und fordert die Kandidaten stark.

Dabei können kleine Maßnahmen den Bewerber nicht nur psychisch, sondern auch physisch und zeitlich entlasten. Ziel ist es, den ersten Eindruck des Arbeitgebers positiv zu beeinflussen. Gerade im Sinne einer starken Arbeitgebermarke ist es wichtig, den Bewerber hier abzuholen und mit ihm zu kommunizieren.

Diese 6 Tipps sind effektiv und einfach umzusetzen:

  1. Ein obligatorischer Hinweis: Sorgen Sie sich um Ihre potentiellen Bewerber. Getränke und eventuell kleine Snacks während eines langen Bewerbertages sollten eigentlich Standard sein, werden jedoch viel zu oft vernachlässigt.

  2. Versenden Sie beim Erhalt der Bewerbungsunterlagen individuelle E-Mail. Das kann auch über ein automatisiertes E-Mail-System erfolgen. Es kann den Bewerber regelmäßig über den Stand der Bewerbung informieren, ihn individualisiert ansprechen und mit relevanten Informationen über die Firma und den Arbeitsplatz versorgen.

  3. Nennen Sie dem Bewerber einen persönlichen Ansprechpartner. Das schafft Vertrauen und hilft einen realistischen Eindruck vom Unternehmen zu bekommen. Außerdem können Fragen nicht durch endloses Klicken im FAQ Bereich geklärt werden, sondern persönlich und direkt. Untersuchungen zeigen, dass für 80% der Bewerber (sehr) wichtig ist, einen persönlichen Ansprechpartner zu haben und jederzeit über den Status ihrer Bewerbung informiert zu sein.

  4. Gestalten Sie alle Auswahlprozesse, wie beispielsweise Assessment Center transparent, fair und akzeptabel für die Bewerber. Letzten Endes ist ein potentieller Bewerber, der sich in Ihrem Unternehmen bewirbt im weitesten Sinne auch ein Markenbotschafter, der seine Erfahrungen weitergibt. Dazu zählt einerseits der Bekanntenkreis, aber auch – und das ist wesentlich wichtiger – die Bewertung im Netz.

  5. Auch wenn es für einige Bewerber nicht geklappt hat, ein abschließendes Feedbackgespräch auf Nachfrage kann für den Bewerber nützlich sein. Dieses Angebot zeigt, dass Ihnen auch potentielle Bewerber wichtig sind Das kann sich positiv auswirken kann, da er sich unter Umständen erneut bewirbt oder das Unternehmen irgendwann den Kontakt aufnehmen kann, falls es eine geeignete Stelle hat.

  6. Bereits im Bewerbungsgespräch sollte ein Bezug zur tatsächlichen Arbeitsstelle hergestellt wird. So kann der Bewerber sehen, wo und mit wem er arbeiten wird. Stimmt die Chemie mit dem Vorgesetzten oder dem Kollegen? Eine kleine Führung durchs Büro und kurzer Plausch mit den Kollegen sorgen für Klarheit.